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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Gelungene Ausstellung "Frieden geht anders!" in Bochum

17. Jan 2019

Zwölf Tage lang präsentierte pax christi im Bistum Essen die Ausstellung "Frieden geht anders! Hier der Bericht über diese erfolgreiche Aktion.

„Frieden geht anders!“
pax christi zeigte im Bistum Ausstellung über Friedensarbeit

 Zwölf Tage lang eine Ausstellung zu präsentieren, zu begleiten, stundenlange Öffnungszeiten zu garantieren, ein umfangreiches Begleitprogramm zu organisieren, erfordert großes Engagement. Das aber wagte pax christi im Bistum Essen vom 21. November bis zum 2. Dezember 2018. Am Ende herrschte bei den Aktiven Genugtuung: Es hat sich gelohnt, die Ausstellung „Frieden geht anders!“ ins Bistum zu holen. Das Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat die Schau erarbeitet und verleiht sie kostenfrei.

 Diese will zu einer breiten gesellschaftlichen Debatte darüber beitragen, mit welchen Mitteln in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts Konflikte bearbeitet und gelöst werden können. Unter großer öffentlicher Beachtung wurde sie erstmals im Herbst 2014 in der Frankfurter Paulskirche präsentiert und ist seitdem im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs.

 Gewaltfrei gegen Krieg

 An sieben konkreten Beispielen wird in Bild und teilweise auch in Ton aufgezeigt, wie sich Menschen überall auf der Welt aktiv und gewaltfrei gegen Krieg und für Frieden, für ihr Recht auf ein Leben in Sicherheit, gegen Tod und Zerstörung engagiert haben – und damit erfolgreich waren. Es wird deutlich, dass auch in bereits eskalierten Konfliktsituationen gewaltfreies Handeln möglich ist. „Der Einsatz von Militär ist niemals alternativlos, aber immer fantasielos“, unterstreichen die Ausstellungsmacher.

Wenn man für Frieden was bewegen wolle, müsse man Friedensbilder in die Köpfe bringen. Und genau das soll mit dieser Ausstellung erreicht werden. Die Beispiele zeigen, dass es ohne den Einsatz von Militär ging und geht. Mit dieser Ausstellung soll eine zweite Perspektive angeboten werden, damit in naher Zukunft auch für Politiker andere Lösungsansätze präsent sind als nur die militärische Option.

Kunstkirche in Bochum

Das Konzept überzeugte den Bistumsvorstand schnell. Aber wie und vor allem wo präsentiert man in einem Bistum mit einer relativ schwierigen West-Ost-Ausdehnung so eine Ausstellung? Immer im Leitungs-Zentrum und damit also in Essen? Die Bochumer Gruppe drängte sich bei der Diskussion im Vorfeld etwas in den Vordergrund und argumentierte, ihre Stadt sei für sehr viele Diözesanen recht günstig positioniert. Die am südlichen Innenstadtrand gelegene Kirche Christ-König, seit Jahren Kunstkirche und damit für Ausstellungsvorhaben bestens geeignet, bot sich an. Und die Bochumer Propsteipfarrei, geleitet von Propst Michael Ludwig, war für das Vorhaben sofort zu gewinnen.

Zwölf Tage lang wurden dann viele Mitglieder von pax christi  ehrenamtliche Ausstellungsmacher und -begleiter. Und das in einer Kirche, in der die Heizung oft machte, was sie gerade wollte. Ihr war das Wärmespenden nicht immer vordringlich. Wer stundenlang Aufsicht führte, wusste im Nachhinein, wie kalt November und Dezember auch im Ruhrgebiet sein können, wenn Aufenthalt in wenig temperierten Kirchenräumen sein muss.

 Aus Frankfurt waren die Exponate mit einem eigens angemieteten Sprinter geholt worden. Danach wurde aufgebaut, tatkräftig unterstützt von Norbert Düwel, dem „Mann für alle Fälle“ in der Kunstkirche Christ-König. Ohne seine Unterstützung, seine Ideen und seinen schier unerschöpflich erscheinenden Werkzeugvorrat hätten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sich viel schwerer getan. Dank dafür noch einmal, lieber Norbert!

Mit Generalvikar Pfeffer

Ein umfangreiches Begleitprogramm war vorbereitet worden. Generalvikar Klaus Pfeffer kam zur Eröffnung. „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ lautete das Thema einer Diskussionsveranstaltung mit Barbara Wellner, Leiterin der Solwodi-Beratungsstelle in Duisburg. Sie hilft dort Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollten.

 Karin Kortmann, bis 2009 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie aktuell Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), erläuterte in einem Diskussionsvortrag die Intensivierung der Entwicklungszusammenarbeit. Motto: „An der Seite der Armen weltweit“.

 „Sicherheit neu denken“, hieß es, als Ralf Becker von „gewaltfrei handeln“ ein Szenario zum Militärausstieg Deutschlands bis zum Jahre 2040 vorstellte.

Für einen besonderen Höhepunkt sorgte der Chor „Die Untertanen“. 1981 hatten sich in Münster einige sangesfreudige und politisch aktive Menschen zusammengefunden. Schnell entstand daraus ein Chor, der seitdem auf der Bühne heiße Eisen anpackt und Weltmusik präsentiert. Zum Nachdenken wollen die „Untertanen“ anregen und immer wieder auch das Publikum mit einbeziehen, es vor allem aber durch Gesang, Gestik und Mimik begeistern. Dabei wirft der Chor viele Fragen auf: „Wohin geht es mit uns und anderen zwischen Grenzsetzungen und Verletzungen? Wiegt der Verlust der alten Heimat schwerer als die Unmöglichkeit, eine neue zu finden? Wie groß ist die Angst? In wem? Wovor? Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich einen Flüchtling aufnehme – weil mein Großvater ja auch mal auf der Flucht war? Und was ist der Unterschied zwischen Naivität und Utopie? Sie wissen nicht genau, wo wir stehen? Wissen Sie denn, wo Sie stehen? Und wohin Sie gehen wollen?“

Der abschließende Ü30-Gottesdienst, eine jahrelange Tradition in der Bochumer Christ-König-Kirche, sorgte für gefüllte Sitzreihen und interessierte Besucher.

Dietmar Blümer vom Bistumsvorstand hatte überdies Schülerarbeiten der Gesamtschule Nord in Essen als Begleitausstellung organisiert, und auch Teile der Ausstellung „Frieden (s) gestalten“ wurden präsentiert.

Kaum Jugend erreicht

Haben sich die Mühen gelohnt? Die Nachbetrachtung ist nicht ganz einfach. Platz wäre oft durchaus für mehr Besucher gewesen. Aber die, die kamen, waren nicht nur überaus interessiert, sondern auch begeistert von der Präsentation.

 Allerdings ist auch hier deutlich erkennbar geworden, woran viele Aktivitäten immer wieder kranken: Versammelt wird sich bei bistumsweiten Aktivitäten möglichst nur um den eigenen Kirchturm herum. Also erschienen zu den Aktionsabenden vorrangig die Zielgruppen der speziellen Angebote.

 Leider blieben die explizit angesprochenen jungen Adressaten fast komplett fern. Keine Schule, keine Jugendgruppe zeigte sich interessiert. Die wenigen jungen Menschen, die sich die Ausstellung ansahen, waren direkt motiviert worden, weil sie zu pax-christi-Mitgliedern persönliche Beziehungen hatten. Sie waren dann total begeistert. Zukünftig sollte eventuell auch diese Erfahrung für ähnliche Vorhaben genutzt werden.

 Medien sehr zurückhaltend

 Ärgerlich war und bleibt auf jeden Fall die nahezu komplette Missachtung durch die lokalen und regionalen Medien. Weder im Vorfeld noch während der Ausstellung wurde berichtet, obwohl vom Ausstellungsteam reichlich druckreife Vorabinformation geliefert worden war. Lediglich der Auftritt des Münsteraner Chores „Die Untertanen“ und der abschließende Ü30-Gottesdienst, ein regelmäßiges Angebot in der Kunstkirche Christ-König, erfuhren, allerdings auch erst nach wiederholtem Bemühen, eine kurze Vorankündigung. Auch darüber sollte noch nachzudenken sein.

Berichtet wurde dagegen in den „Antifaschistischen Bochumer Blättern“ der VVN. Überaus kritisch, aber sehr engagiert. Die Autorin hatte sich auch ganz viel Zeit für den Ausstellungsbesuch genommen:

“Frieden geht anders!”, heißt eine Ausstellung, die Pax Christi in die Kunstkirche Christ-König am Steinring geholt hat. Auf großen Bildtafeln werden Beispiele nicht-militärischer Konfliktlösungen dargestellt: Ein Ende des Bürgerkriegs in Liberia durch zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse, die vor allem von Frauen ausgingen; Boykott und internationaler Druck als Mittel gegen das südafrikanische Apartheitsregime; Mut zur Gewissensentscheidung am Beispiel des sowjetischen Generals Stanislaw Petrow, der nach einem vermeintlichen Raketenangriff entschied, abzuwarten und nicht den dritten Weltkrieg auszulösen. Weitere Tafeln zeigen Beispiele von diplomatischen Lösungen, Verhandlungsstrategien und Verträgen, die Bürgerrechtsgruppen innerhalb der sozialistischen Staaten die Freiräume zum gesellschaftlichen Umbruch verschafft hätten. 
 Dass der “baltische Weg in die Freiheit” mittels Volksliedern und Punk, “Liedern, die die Welt verändern”, einen Weg zum Frieden eröffneten, kann angesichts des Wiederauflebens von Nationalismus und faschistischen Traditionen in Estland, Lettland und Litauen bezweifelt werden.
Ein Beispiel für den Kampf gegen den militärisch-industriellen Komplex fehlt in der Ausstellung. Ein erfolgreiches Beispiel dafür wäre auch schwer zu finden, doch der Versuch dazu, den die auch von Pax Christi unterstützte “Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel” geht, wäre es wert, verbreitet zu werden. Grundlegend aber ist die zitierte Einsicht der Frauen aus Liberia: “Uns wurde klar, es genügt nicht länger, für den Frieden zu beten.”

Den Aktiven von pax christi im Bistum Essen ist aber auf jeden Fall deutlich geworden, dass sich solches Engagement durchaus lohnen kann. Zudem konnten für zukünftige Vorhaben zahlreiche Impulse gesammelt werden.                               

Ursula Balt

 

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